Ein gelungener, spontaner Einstand

Die Überraschung war perfekt: Anstatt der erkrankten Interimsdirigentin Birgit Akamphuber gab der neue Dirigent der Stadtkapelle Hayingen Arthur Lamparter beim Frühjahrskonzert einen gelungenen Einstand.

MARIA BLOCHING |

Dass dieses traditionelle Frühjahrskonzert nicht mit jenen aus den Vorjahren zu vergleichen war, war für die zahlreichen Konzertbesucher von vornherein klar.

Nach dem Ausscheiden des langjährigen Dirigenten Herbert Pfister übernahm Birgit Akamphuber im Januar als Interimsdirigentin die musikalische Leitung der Stadtkapelle Hayingen, bis eine Dauerlösung gefunden werden konnte. Die Chemie zwischen der Vollblutmusikerin und den Hayinger Musikanten hat sofort gestimmt und man bereitete sich gemeinsam und intensiv auf das bereits ein viertel Jahr später anstehende Frühjahrskonzert vor. Natürlich stand von vornherein fest, dass es angesichts der kurzen Probephase ein abgespecktes Programm geben würde. Abgespeckt allerdings nur in Form der Quantität, nicht jedoch was die musikalische Qualität anging.

Diese stimmt nach wie vor bei den mehr als 60 Musikern, davon konnten sich die Konzertbesucher am Samstagabend aufs vorzüglichste überzeugen. Und dies, obwohl nicht Birgit Akamphuber den Dirigentenstab schwang, sondern Arthur Lamparter, der ab Mai die Leitung der Stadtkapelle Hayingen übernimmt und kurzerhand für die erkrankte Interimsdirigentin einsprang. Am Freitag probte er mit dem Orchester zum ersten Mal die einstudierten Stücke, am Samstag wurde ein Konzert geboten, das begeisterte.

Der Kontakt zum neuen Dirigenten war über Anton Ranz zustande gekommen, der nicht nur in der Stadtkapelle spielt und als Aushilfe dirigiert, sondern auch gemeinsam mit Arthur Lamparter bei den Altbachmusikanten musiziert. Sechs Jahre lang dirigierte dieser die Kapelle seines Heimatdorfes Pflummern, nun hat der 27-jährige Informatikstudent nach einer neuen musikalischen Herausforderung gesucht. Gesucht und gefunden, könnte man angesichts dieser Konstellation sagen.

Kein Zuhörer kam im Rahmen des Konzerts auf den Gedanken, dass Lamparter zum ersten Mal dieses Orchester dirigierte. Er ließ sich auf die einzelnen Register ein, ging mit und zeigte viel Gefühl für die besonderen Nuancen der dargebotenen Stücke. Majestätisch und klangvoll wurde mit der "Festmusik" von Richard Wagner auf den Abend eingestimmt, bevor es mit "Towards a new Horizon" von Steven Reineke nicht nur programmgemäß, sondern sinnbildlich für die Stadtkapelle Hayingen auf zu neuen Horizonten ging. Die Musikanten intonierten diese Komposition mit beeindruckenden Klangfarben, aufregenden Rhythmen und einer meisterhaften Instrumentierung und stellten damit den Pioniergeist mutiger Siedler und auch ihren eigenen Mut für den Aufbruch in neue Gefilde dar.

Souverän und mit hoher Konzentration führte Dirigent Arthur Lamparter das Orchester durch "The Saint and the City" von Jacob de Haan. Gespannt durfte der Kampf mit dem Drachen verfolgt werden, der in bedrohlichen Bildern durch eine Reihe von Akkorden heraufbeschworen wurde. Als zentrales musikalisches Thema für den Kampf des Erzengels Michael mit dem Drachen war immer wieder die Melodie der Hymne Ladato dominum zu hören. Als Höhepunkt des Abends kristallisierte sich "Broken Vow" von Lara Fabian dank der solistischen Saxophoneinlagen von Dagmar Herter und Josef Däubler heraus. Mit viel Gefühl und technischem Können sorgten sie mit dieser wunderschönen Ballade reihum für Gänsehaut und so war es auch nicht verwunderlich, dass sie am Ende des Konzertabends das Stück noch einmal als zweite Zugabe zum Besten geben mussten. Als krasser Kontrast stand diesem feinfühligen Lied "Oye como va" von Tito Puente mit dem mitreißenden Rhythmus von Latin Rock gegenüber, bevor im Udo Jürgens-Medley bekannte Werke wie "17 Jahr, blondes Haar", "Mit 66 Jahren" oder auch "Griechischer Wein" zu hören waren. Wie vielseitig und breitgefächert das Repertoire der Stadtkapelle Hayingen ist, wurde mit der Darbietung des weltweit bekannten Militärmarschs "Colonel Bogey" von Kenneth J. Alford und der Abba-Hommage an die Musik "Thank you for the music"deutlich.

Sowohl Orchester wie auch Dirigent zeigten an diesem Abend eine große Leistung. Denn eine Musikkapelle in dieser Größe durch ein Konzert zu führen, das von einer anderen Dirigentin vorbereitet wurde, erfordert Mut und Können. Beides hat der neue Hayinger Dirigent Arthur Lamparter unter Beweis gestellt. Dafür, dass die Musikerinnen und Musiker seinem Dirigentenstab mühelos gefolgt waren, zollte Lamparter wiederum Respekt.

Er verbeugte sich nach der Darbietung nicht nur vor dem Publikum, sondern auch vor dem Orchester, das einen perfekten Start in die neue Hayinger Stadtkapellen-Ära hingelegt hat. So war auch Freude und Erleichterung über das gelungene Konzert in den Reihen des Vereins zu spüren. Von einem "Neuanfang" sprach der zweite Vorsitzende Reiner Arnold, der stolz den neuen Dirigenten begrüßte und ihn dem Publikum vorstellte. Ihm war durchaus bewusst, dass mit diesem Konzert das Pferd von hinten aufgesattelt worden war. "Wir sind eben etwas Besonderes", lachte Arnold, wohlwissend, dass man sich üblicherweise zunächst mit einem neuen Dirigenten vertraut macht und Proben durchführt, bevor ein Konzert gegeben wird. Die Stadtkapelle Hayingen hat ihren neuen Dirigenten mit einem gelungenen Konzert willkommen geheißen - wenn das mal nicht belohnte Spontaneität ist.